32 Jahre AEM: Erfahrungen, Veränderungen, Visionen | Wolfgang Büsing

Shownotes

In dieser Episode ist Wolfgang Büsing zu Gast – langjähriger Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Gemeinsam mit Host Simon Diercks taucht er tief in die Welt der Mission ein 🌍: von seinen Anfängen bei ProChrist 1993 bis hin zur heutigen globalen, polyzentrischen Missionslandschaft.

Wolfgang erzählt von den großen Veränderungen, die Mission weltweit durchlaufen hat – und was das konkret für Werke in Deutschland bedeutet. Es geht um Herausforderungen wie Migration, strukturelle Veränderungen in der Weltweiten Evangelischen Allianz 🌐, neue internationale Partnerschaften, aber auch die Frage: Wie kann die junge Generation für Mission begeistert werden?

Ein ehrliches, inspirierendes Gespräch über Teamarbeit, Gottes Führung und die Kraft von mutigen Schritten in unbekannte Richtungen 🚀.

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00:00:00: Speaker: Danke schön. Ja, Hallo.

00:00:01: Speaker: Auch von mir.

00:00:04: Speaker: Ich habe meine Geschichte einmal

00:00:05: Speaker: aufgeschrieben und werde sie

00:00:06: Speaker: euch vorlesen.

00:00:08: Speaker: Und sie trägt den Titel Ausnahmezustand.

00:00:14: Speaker: Die Jahre zwei tausend ein und

00:00:15: Speaker: zwanzig bis zwei tausend vier

00:00:17: Speaker: und zwanzig habe ich im

00:00:19: Speaker: Ausnahmezustand gelebt.

00:00:21: Speaker: Mir war das währenddessen die längste Zeit gar nicht bewusst.

00:00:25: Speaker: Eine Herausforderung reihte sich an die nächste.

00:00:29: Speaker: Manche waren kleiner, manche größer.

00:00:32: Speaker: Einige ließen sich gut lösen, andere hinterließen Spuren.

00:00:37: Speaker: Nach vier Jahren Ausnahmezustand

00:00:39: Speaker: war mein Leben ein

00:00:41: Speaker: Scherbenhaufen.

00:00:42: Speaker: Ich hatte keine Perspektive mehr für meine Zukunft und war

00:00:46: Speaker: einfach nur noch erschöpft.

00:00:49: Speaker: Ich sehnte mich zutiefst nach Lebendigkeit und einem neuen

00:00:53: Speaker: Sinn in meinem Leben.

00:00:55: Speaker: Und gleichzeitig steckte ich mit

00:00:57: Speaker: meinen Gedanken und Gefühlen

00:00:59: Speaker: noch tief in den erschütternden

00:01:00: Speaker: Erfahrungen der jüngsten

00:01:02: Speaker: Vergangenheit fest.

00:01:05: Speaker: Zuerst war durch die Erfahrung von Machtmissbrauch und

00:01:09: Speaker: geistlicher Manipulation mein Glaube ins Wanken geraten.

00:01:14: Speaker: Durch fragwürdige und

00:01:15: Speaker: unreflektierte theologische

00:01:17: Speaker: Positionen und

00:01:19: Speaker: Frömmigkeitspraktiken meiner

00:01:21: Speaker: damaligen Glaubensgeschwister

00:01:23: Speaker: wurde mein eigener Glaube

00:01:25: Speaker: vergiftet.

00:01:27: Speaker: Ich wurde wiederholt mit

00:01:28: Speaker: Vorstellungen über Gott und die

00:01:30: Speaker: Welt konfrontiert, die meinen

00:01:33: Speaker: eigenen so fundamental

00:01:34: Speaker: widersprachen, dass ich nach und

00:01:37: Speaker: nach, dass ich nach einer

00:01:38: Speaker: längeren Zeit der

00:01:39: Speaker: Auseinandersetzung und jeder

00:01:42: Speaker: Menge kognitiver Dissonanzen

00:01:44: Speaker: irgendwann nicht mehr wusste,

00:01:45: Speaker: was ich noch glauben kann und

00:01:47: Speaker: will.

00:01:49: Speaker: Ob Gott eigentlich real ist oder

00:01:52: Speaker: einfach nur ein menschliches

00:01:53: Speaker: Konstrukt.

00:01:56: Speaker: Vor weniger als zwei Jahren war ich kurz davor, das mit dem

00:01:59: Speaker: Glauben ganz sein zu lassen und Atheistin zu werden.

00:02:05: Speaker: Gleichzeitig versuchte ich,

00:02:06: Speaker: mithilfe einer

00:02:07: Speaker: Kinderwunschbehandlung schwanger

00:02:08: Speaker: zu werden.

00:02:10: Speaker: Ich wusste, dass das ein langer

00:02:11: Speaker: und herausfordernder Weg werden

00:02:13: Speaker: konnte.

00:02:15: Speaker: Wie emotional belastend dieser Weg werden würde, vermochte ich

00:02:19: Speaker: mir nicht vorzustellen.

00:02:21: Speaker: Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren lebte ich von Zyklus

00:02:26: Speaker: zu Zyklus, von Blutung zu Blutung, rechnete im Vorfeld

00:02:30: Speaker: aus, wann ich Hormone einnehmen oder spritzen musste.

00:02:33: Speaker: Von den vielen Terminen in der

00:02:35: Speaker: Kinderwunschpraxis ganz zu

00:02:36: Speaker: schweigen.

00:02:38: Speaker: Beim dritten Versuch wurde ich

00:02:39: Speaker: schwanger, was angesichts eines

00:02:41: Speaker: einzigen transferierten Embryos

00:02:43: Speaker: und einer bei vier bis sieben

00:02:45: Speaker: Prozent niedrigen

00:02:46: Speaker: Wahrscheinlichkeit, überhaupt

00:02:47: Speaker: schwanger zu werden, einem

00:02:49: Speaker: Wunder glich.

00:02:51: Speaker: Ich war außer mir vor Freude und Erleichterung, wohl wissend,

00:02:56: Speaker: dass Fehlgeburten in den ersten Schwangerschaftswochen häufig

00:02:59: Speaker: sind, war ich voller Zuversicht und malte mir aus, wie es sein

00:03:02: Speaker: würde, wenn ich im Sommer zwei tausend vier und zwanzig mein

00:03:05: Speaker: erstes und wohl auch einziges Kind auf die Welt bringen würde.

00:03:10: Speaker: Doch dann, in der siebten

00:03:12: Speaker: Schwangerschaftswoche, sagte die

00:03:13: Speaker: Ärztin bei einem der

00:03:14: Speaker: Kontrolltermine ohne jegliche

00:03:16: Speaker: Vorwarnung den Satz, der bis

00:03:19: Speaker: heute schmerzhaft in mir

00:03:20: Speaker: nachhallt.

00:03:21: Speaker: Ihre Schwangerschaft ist nicht intakt.

00:03:25: Speaker: Unter Tränen und ganz alleine

00:03:27: Speaker: verließ ich die

00:03:27: Speaker: Kinderwunschpraxis

00:03:29: Speaker: schmerzerfüllt und unendlich

00:03:30: Speaker: enttäuscht.

00:03:32: Speaker: Ab diesem Moment war für mich

00:03:34: Speaker: klar, dass ich nicht mehr an

00:03:35: Speaker: einen allmächtigen Gott glauben

00:03:36: Speaker: konnte.

00:03:40: Speaker: Ein gutes halbes Jahr später traf ich einen Menschen, den ich

00:03:43: Speaker: bis dahin nur von seinen Social Media Kanälen kannte.

00:03:49: Speaker: Aufgrund seiner dort

00:03:50: Speaker: verbreiteten theologischen

00:03:51: Speaker: Ansichten wollte ich eigentlich

00:03:53: Speaker: gar nichts mit ihm persönlich zu

00:03:54: Speaker: tun haben.

00:03:56: Speaker: Doch eine einzige kurze

00:03:57: Speaker: Begegnung mit ihm veränderte

00:03:59: Speaker: alles.

00:04:01: Speaker: Er wollte meine Geschichte hören.

00:04:04: Speaker: Er nahm sich Zeit für mich.

00:04:07: Speaker: Ich durfte ihm alles vor die Füße kotzen, was mich bewegte,

00:04:10: Speaker: was mich verletzt hatte, was mich zweifeln ließ.

00:04:14: Speaker: Und er hörte einfach zu.

00:04:17: Speaker: Er bewertete nichts.

00:04:19: Speaker: Und er verurteilte mich nicht.

00:04:22: Speaker: Er begleitete mich sogar

00:04:23: Speaker: seelsorgerlich durch die letzten

00:04:25: Speaker: Monate meiner

00:04:25: Speaker: Kinderwunschbehandlung, die ich

00:04:28: Speaker: nach drei weiteren erfolglosen

00:04:30: Speaker: Versuchen schließlich beendete,

00:04:32: Speaker: weil ich sowohl finanziell als

00:04:34: Speaker: auch emotional die Grenzen

00:04:35: Speaker: meiner Belastbarkeit erreicht

00:04:37: Speaker: hatte.

00:04:40: Speaker: Im Oktober zwei tausend vier und

00:04:41: Speaker: zwanzig begleitete er mich auf

00:04:43: Speaker: den Friedhof, wo wir auf dem

00:04:45: Speaker: Feld für Sternenkinder meinen

00:04:47: Speaker: Kinderwunsch begruben und mein

00:04:50: Speaker: Sternenkind nachträglich einen

00:04:52: Speaker: Erinnerungsort schufen.

00:04:56: Speaker: In den darauffolgenden Wochen war ich krankgeschrieben zu

00:04:58: Speaker: Hause und trauerte.

00:05:01: Speaker: Es war nicht nur das Betrauern

00:05:02: Speaker: meines Kinderwunsches, sondern

00:05:05: Speaker: sondern ein Abschied von einem

00:05:07: Speaker: Lebenskonzept.

00:05:09: Speaker: Ich hatte mir immer Kinder gewünscht.

00:05:12: Speaker: Dass dieser Wunsch, diese Lebensvorstellung, sich nicht

00:05:15: Speaker: verwirklicht hatte, war ein tiefer und schmerzhafter

00:05:18: Speaker: Einschnitt in meine Biografie.

00:05:21: Speaker: Da ich in einem

00:05:22: Speaker: unzufriedenstellenden Job fest

00:05:24: Speaker: steckte, den ich nur ausübte, um

00:05:26: Speaker: mir meinen Lebensunterhalt zu

00:05:27: Speaker: finanzieren, gab es nur noch

00:05:29: Speaker: wenig Sinnstiftendes in meinem

00:05:31: Speaker: Leben.

00:05:32: Speaker: Ich spürte, dass ich etwas

00:05:34: Speaker: Grundlegendes verändern musste,

00:05:36: Speaker: hatte aber keine Idee und vor

00:05:38: Speaker: allem keine Kraft mehr, meinem

00:05:40: Speaker: Leben eine neue Richtung zu

00:05:42: Speaker: geben.

00:05:44: Speaker: Aus meiner Erschöpfung und

00:05:46: Speaker: meiner Traurigkeit entstand eine

00:05:48: Speaker: Depression.

00:05:50: Speaker: Und Anfang dieses Jahres

00:05:51: Speaker: verbrachte ich zwei Monate in

00:05:53: Speaker: einer Klinik für Psychotherapie

00:05:54: Speaker: und Psychosomatik.

00:05:57: Speaker: Dort zeigte sich, dass ich in meiner Kindheit traumatische

00:06:00: Speaker: Dinge erlebt hatte.

00:06:03: Speaker: Nach den zwei Monaten fühlte ich

00:06:05: Speaker: mich, als sei eine große

00:06:06: Speaker: Seelenop an mir durchgeführt

00:06:08: Speaker: worden, die Wunden notdürftig

00:06:11: Speaker: verbunden, aber noch lange nicht

00:06:13: Speaker: verheilt.

00:06:17: Speaker: Diese Woche, am Freitag, also in

00:06:19: Speaker: drei Tagen, beende ich den

00:06:22: Speaker: dritten Klinikaufenthalt dieses

00:06:24: Speaker: Jahres.

00:06:26: Speaker: Ich befinde mich inmitten eines

00:06:28: Speaker: tief gehenden Heilungsprozesses,

00:06:30: Speaker: der zwar noch lange nicht

00:06:32: Speaker: abgeschlossen, aber so weit

00:06:34: Speaker: vorangeschritten ist, dass ich

00:06:36: Speaker: mit neuer Zuversicht und

00:06:38: Speaker: Lebendigkeit dem nächsten

00:06:40: Speaker: Abschnitt meines Lebens

00:06:41: Speaker: entgegenblicke.

00:06:43: Speaker: Ab nächstem Jahr möchte ich

00:06:45: Speaker: Theologie studieren und danach

00:06:47: Speaker: Pastorin werden.

00:06:50: Speaker: Der Zerbruch meines früheren

00:06:51: Speaker: Glaubens hat das erst möglich

00:06:53: Speaker: gemacht.

00:06:54: Speaker: Theologie ist für mich wie

00:06:56: Speaker: Psychotherapie für meinen

00:06:57: Speaker: Glauben.

00:06:59: Speaker: Nach drei Jahren Bibelabstinenz entdecke ich nun, während ich

00:07:04: Speaker: mich auf das Studium vorbereite, so viele neue Dinge in der

00:07:07: Speaker: Bibel, die mir in meinen in meinem alten zwanzig Jahre

00:07:11: Speaker: währenden Glaubensleben noch nicht zugänglich waren.

00:07:16: Speaker: Meine Vorstellung von Gott setzt

00:07:17: Speaker: sich Stück für Stück neu

00:07:19: Speaker: zusammen.

00:07:20: Speaker: Und gleichzeitig darf Gott ein Mysterium bleiben.

00:07:24: Speaker: Ich habe nicht mehr den Anspruch, Gott zu verstehen.

00:07:28: Speaker: Ich glaube, dass das gar nicht möglich ist.

00:07:30: Speaker: Aber ich möchte wieder mit Gott

00:07:33: Speaker: an meiner Seite durchs Leben

00:07:34: Speaker: gehen und darauf vertrauen, dass

00:07:37: Speaker: Gott es gut mit mir meint und

00:07:39: Speaker: dass mein Leben immer wieder

00:07:41: Speaker: eine neue Wendung nehmen darf,

00:07:43: Speaker: wenn ein Scherbenhaufen mir den

00:07:45: Speaker: Weg versperrt.

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